Präsenzlos, online, live – Lehren, Prüfen und Beraten mit Webkonferenzen

In synchronen onlinegestützten Lehrformaten, wie z. B. bei Webkonferenzen, finden Lehren und Lernen gemeinsam und zeitgleich statt. Allerdings ist es zur Nutzung synchroner Online-Lehre immens wichtig, dass die Internetverbindung der Teilnehmenden sehr gut ist und die dahinterliegenden Systeme die erforderliche Rechenleistung haben. Es ist davon auszugehen, dass mit dem Start des Semesters die Systeme und Netze an vielen Stellen an ihre Kapazitätsgrenzen kommen und eine rein synchrone Online-Lehre dann schwer umsetzbar ist. Unsere Empfehlung ist daher eine Mix aus einigen asynchronen Formaten mit wenigen synchronen Elementen.

Was können Webkonferenzen leisten? Und was nicht?

In Webkonferenzen kommen Sie per Audio, Video oder Chat miteinander in den Austausch und können häufig Ihren gesamten Bildschirm oder Teile davon freigeben. Damit können Sie beispielsweise eine Präsentation laufen lassen, parallel dazu vortragen und gleichzeitig auf Rückfragen der Teilnehmenden reagieren. Sie können die Reaktionen von Teilnehmenden beispielsweise über die Chat-Funktion, über Wortbeiträge oder über externe Interaktionstools (z. B. ein Online-Feedback-Tool wie Tweedback) einholen.

Teilnehmende können zusätzlich Zeichen-/ und Präsentationstools, wie z. B. einen Textmarker, verwenden, um die zentrale Punkte hervorzuheben oder sich Rückfragen oder Diskussionsergebnisse zu notieren. Zudem können Sie Ihre Webkonferenz mit einem Klick aufzeichnen lassen und die Datei den Teilnehmenden zur Nachbereitung zur Verfügung stellen.

ABER: Gerade Videokonferenzen sind sowohl technisch als auch kommunikativ anspruchsvoll und verlangen von allen Beteiligten eine erhöhte Aufmerksamkeit. Zudem müssen vorab Regelungen gefunden werden, wie die Session strukturiert wird, wie Wortbeiträge oder Rückfragen kommuniziert werden etc. Es ist daher nicht ohne Weiteres möglich, die bestehenden Präsenz-Veranstaltungsinhalte einfach auf eine Webkonferenz zu übertragen.

Wofür kann ich eine Webkonferenz einsetzen?

Sie können eine Webkonferenz einsetzen, um …

… Ihre Lehrinhalte vorzustellen oder Diskussionen über vorliegendes Material zu führen
… Ihre Sprechstunde videogestützt durchzuführen
… nur in Ausnahmefällen eine (mündliche) Prüfung abzunehmen

Was muss ich beim Einsatz vorab bedenken?

  • Verschaffen Sie sich vorab einen Überblick

Überlegen Sie, welches Tool sich am besten für die Zielsetzung (Inhaltsvermittlung, Diskussion eines Ansatzes, Sprechstunde etc.) eignet. Bei einigen Tools können diverse Einstellungen vorgenommen werden, um Audio- oder Videobeiträge freizugeben oder Teilnehmende stummzuschalten.

  • Testen Sie das gewählte Tool mit Kolleg/innen

Für alle Szenarien empfehlen wir Ihnen vorab ausführliche Tests, z. B. mit Kolleg*innen, durchzuführen, um alle gewünschten Funktionen zu prüfen oder schlicht um sich ein kollegiales Feedback einzuholen.

  • Setzen Sie einen klaren Rahmen

Eine gute Kommunikation über die Termine, Uhrzeiten und Themen ist wichtig. Legen Sie Start und Endzeitpunkt fest, damit die Diskussion nicht ausufert. Strukturieren Sie längere Sitzungen ggf. mit einzelnen, zeitlich befristeten Blöcken und machen Sie diese zum Sitzungsstart transparent.

Sie können beispielsweise die thematischen Schwerpunkte setzen oder vorab in Erfahrung bringen, zu welchen Aspekten ein Austauschbedarf besteht und dann zu thematischen Clustern eine Online-Sprechstunde anbieten.

Machen Sie zu Beginn der Sitzung deutlich, welche kommunikativen Regeln gelten und wie mit Redebeiträgen oder Zwischenfragen umgegangen wird. Überlegen Sie, inwieweit Sie die Chat-Funktion in Ihrer Sitzung einbinden wollen (hohes Ablenkungspotential). So können Sie z. B. ankündigen, bei einer Präsentation immer wieder Pausen zu machen um dann Fragen aus dem Chat gesammelt zu beantworten.

  • Fassen Sie sich kurz

Nutzen Sie die Möglichkeit, Inhalte bereits vorab zum Beispiel per E-Mail oder in Moodle zur Verfügung zu stellen. Informieren Sie die Beteiligten, dass ein bestimmter Inhalt bereits vorliegt, so dass sich alle mit dem zeitlichen Vorlauf auseinandersetzen können und die Zeit in der Webkonferenz selbst möglichst kurz gehalten werden kann. Stellen Sie sicher, dass anstelle einer grundlegenden Einführung eine Auseinandersetzung mit dem Inhalt stattfinden kann.

  • Schaffen Sie Transparenz

Wenn Sie die Option anbieten möchten, die Webkonferenz aufzeichnen, so weisen Sie die Teilnehmenden vorab darauf hin. Eine Aufzeichnung kann zwar einerseits für die Wiederholbarkeit der Inhalte sorgen, andererseits ist es möglich, dass sich Teilnehmende eingeschränkt fühlen, da sie nicht möchten, dass ihre Wortmeldungen aufgezeichnet werden.

  • Reduzieren Sie die Netzauslastung

Bitten Sie die Teilnehmenden, ihre Videospur nur dann einzuschalten, wenn es unbedingt nötig ist. Das macht die Verbindung für alle stabiler und ist weniger fehleranfällig. Bei Redebeiträgen kann die Videofunktion einfach wieder eingeschaltet werden. 

Was muss ich während einer Webkonferenz berücksichtigen?

  • Sagen Sie, was Sie tun

Kündigen Sie an, wenn Sie z. B. Ihren Bildschirm teilen um eine Präsentation zu zeigen oder wenn Sie die Gruppe auf Arbeitsräume aufteilen. Sprechen Sie auch darüber, wenn Sie technische Probleme haben (was immer vorkommen kann!) – so wissen die Teilnehmenden, was gerade geschieht und können Sie vielleicht sogar unterstützen.

  • Berücksichtigen Sie unterschiedliche technische Ausstattungen

Sie können nicht davon ausgehen, dass alle Teilnehmende technisch optimal ausgestattet sind und sich aktiv an einem Audio- oder Videochat beteiligen können. Fragen Sie also nach, wenn Sie diese Kommunikationswege nutzen wollen und ermöglichen Sie immer auch eine Teilnahme über den Textchat.

Für manche Situationen und auch nur, wenn alle einverstanden sind, kann es nützlich sein, in TeamSpeak eine Aufnahme der Sitzung anzufertigen, um Studierenden, die aufgrund technischer Voraussetzungen oder anderen Schwierigkeiten, die dieses Semester mit sich bringt, nicht teilnehmen können, die Möglichkeit zu bieten, die Sitzung später nachhören zu können. Unter dem Reiter Extras können Sie ohne weiteren Aufwand die Aufnahme starten.

  • Reduzieren Sie Anonymität

Wenn in einer Webkonferenz etwas gemeinsam erarbeitet werden soll, ist es wichtig, dass alle eine gewisse Vorstellung davon haben, mit wem sie zusammenarbeiten. Bitten Sie die Teilnehmenden deshalb, ihren vollen Namen anzugeben und z. B. keine Kürzel zu verwenden. Je nach Gruppengröße können Sie auch mit einer Vorstellungsrunde per Video, Audio oder Chat beginnen.

  • Geben Sie Tipps für Gruppenarbeitsphasen

Um einen schnellen Einstieg in Gruppenarbeiten während der Webkonferenz zu ermöglichen, können Sie Moderator/innen festlegen (z. B. jeweils die Person mit dem längsten Namen) und vorschlagen, in den Gruppen mit der Auswahl des Kommunikationsmediums (Text, Audio oder Video) und einer kurzen Vorstellung zu beginnen.

  • Strukturieren Sie Diskussionsrunden

Selbst bei kleineren Gruppen kann es schwierig sein, eine Diskussion zu moderieren, weil die gesteuerte und ungesteuerte Rederechtverteilung nach anderen Prinzipien verläuft als in der Präsenzlehre. Während kurze Zwischenfragen ohne Ankündigung während eines Lehrvortrags in Bezug auf die Gesprächsorganisation sicherlich möglich sind, sollten Diskussionsrunden moderiert werden. Informieren Sie Ihre Studierenden daher im Vorfeld, wie Sie es handhaben (oder ausprobieren) wollen. Studierende können z. B. den Chat nutzen, um einen Wortbeitrag (z. B. mit einem vereinbarten Symbol) anzukündigen oder den Chat nutzen, um ihre Fragen schriftlich zu formulieren, die Sie oder eine mögliche Referentin mündlich beantworten.

  • Beachten Sie nötigenfalls Sonderbedarfe

Für Studierende mit Behinderungen können Webkonferenzen spezielle Schwierigkeiten mit sich bringen. So sind beispielsweise schriftliche Live-Chats für blinde und sehbeeinträchtigte Studierende, die Screenreader oder Vergrößerungssoftware nutzen, schwer oder gar nicht zu handhaben. Ermutigen Sie Studierende mit Behinderungen, sich bei Ihnen zu melden. Für Lösungen berät Sie die Beratungsstelle zur Inklusion Behinderter.

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