Hybride Lehre durchführen und gestalten

Was ist eine hybride Veranstaltung?

Von einer hybriden Veranstaltung wird in der Regel gesprochen, wenn eine Präsenzveranstaltung live übertragen wird. Dies bedeutet, dass an einer Veranstaltung gleichzeitig nicht nur Personen vor Ort teilnehmen, sondern auch virtuell bzw. online. Gründe dafür eine hybride Veranstaltung anzubieten, können sein, dass nicht allen Teilnehmenden die Anwesenheit vor Ort möglich ist oder auch die Zielgruppe erweitert werden soll.

Beispielsweise kann es sein, dass nicht alle Studierenden an der Präsenzveranstaltung teilnehmen können oder wollen oder es aufgrund der Raumsituation nicht möglich ist, dass alle Personen teilnehmen können.

Außerdem kann es sich um eine Veranstaltung handeln, an welcher auch externe Personen teilnehmen, d.h. solche, die z.B. aus zeitlichen Gründen sowieso nicht oder nur schwer auf den Campus kommen können, z.B. im Fall einer Ringvorlesung.

Viele verwenden den Terminus „hybrid“ im Kontext von Lehre aber auch, wenn Sie beispielsweise von Blended Learning sprechen, d.h. der Tatsache, dass die Lehre durch Präsenz- und Onlinephasen gestaltet ist. Gemeint sein kann auch, dass Präsenzveranstaltungen aufgezeichnet werden und so im Nachhinein eine Auseinandersetzung mit den Inhalten der Lehrveranstaltung stattfindet.

Hier soll es primär um hybride Veranstaltungen im Sinne einer Live-Übertragung gehen. Folgende Fragen werden beantwortet:

Wann kommt eine hybride Veranstaltung in Frage?

Um die Frage zu beantworten, lassen sich verschiedene Faktoren in die Abwägung einbinden. Außerhalb besonderer Gründe, z.B. die Einbindung einer externen Zielgruppe, können die äußeren Rahmenbindungen nahelegen, ein hybrides Lehrformat durchzuführen. Es ist aufgrund der weiterhin bestehenden Pandemiesituation möglich, dass auch im Wintersemester 2021/22 mit Einschränkungen bei Präsenzveranstaltungen zu rechnen ist.

Sowohl Lehrende als auch Studierende sehen beispielsweise in der Teilnahme und/oder der Durchführung von Präsenzveranstaltungen gesundheitliche Risiken, denen sie sich nicht aussetzen möchten. Um die gesundheitlichen Risiken zu minimieren, könnte es beispielsweise sinnvoll sein, eine Präsenzveranstaltung so durchzuführen, dass prinzipiell nur eine kleine Teilnehmendenzahl vor Ort ist, um so Abstände und Distanz gewährleisten zu können.

Des Weiteren kann ins Spiel kommen, dass aufgrund der einzuhaltenden Abstandsregelungen die Raumkapazität nicht ausreichend ist, um alle an der Präsenzveranstaltung teilnehmen zu lassen.

Hinzu kommt, dass angesichts einer generell uneinheitlichen Angebotsform von Lehrformat, online, in Präsenz oder hybrid, Studierende aus organisatorischen Gründen von zu Hause aus an Veranstaltungen teilnehmen, wenn der überwiegende Teil ihrer aktuellen Veranstaltungen online läuft.

Eine hybride Veranstaltung kann des Weiteren als eine Möglichkeit betrachtet werden, überhaupt eine Präsenzveranstaltung anzubieten. Relevant ist dies beispielsweise für Studierende in den ersten Semestern oder bei Veranstaltungen mit sehr stark diskursivem Charakter, z.B. Seminaren oder Übungen. Sie bietet für Studierende ein hohes Maß an Flexibilität, da diese sowohl vom Campus aus als auch von zu Hause aus teilnehmen können.

Eine hybride Veranstaltung kann mit anderen Formaten kombiniert werden. Denkbar sind die Durchführung weniger Präsenzveranstaltungen in Kombination mit einer längeren Online-Phase oder auch die Aufteilung einer größeren Gruppe in mehrere Kleingruppen, die sich zu bestimmten Zeiten in Präsenz einfinden oder alternativ die Möglichkeit der Online-Zuschaltung haben.

Größe der Veranstaltung + vorhandene Räume

In Abhängigkeit von der Größe der Veranstaltung und des vorhandenen nutzbaren Raumes lässt sich zunächst grob abwägen, ob eine reine Präsenz-, Hybrid oder Online-Veranstaltung durchgeführt werden sollte.

TN-Zahl circa < 20

Veranstaltungen dieser Größenordnung sind als Präsenzveranstaltung denkbar. Hierbei ist zu beachten, dass der hierfür vorgesehene Raum zwecks Minimierung gesundheitlicher Risiken ausreichend groß sein sollte. Dennoch besteht ebenso bei derart kleinen Veranstaltungen die Möglichkeit ein hybrides Format in Betracht zu ziehen, da es auch bei dieser Größe immer sein kann, dass Studierende nicht teilnehmen können oder wollen.

Alternative

Alternativ kann eine Online-Veranstaltung angeboten, wenn sich zeigt, dass der überwiegende Teil der Studierenden es vorzieht online teilzunehmen.

Vorteile

Die Vorteile des hybriden Formats liegen für die Studierenden in der Flexibilität. Ortsunabhängig ist eine Teilnahme an der Veranstaltung möglich. Auf der anderen Seite besteht die Möglichkeit für diejenigen, die an der Präsenzveranstaltung teilnehmen möchten, dies zu tun.

Für Lehrende kann der Vorteil darin liegen, zumindest in realer Umgebung in einem „echten“ Setting zu lehren und direkten Kontakt zu den Studierenden zu haben.

Nachteile

Wird die Option der hybriden Teilnahme eröffnet, kann dies die Planung der Veranstaltung erschweren, da vorab nicht bekannt ist, wer online bzw. wer in Präsenz dabei ist. Es kann sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung einen Überhang geben, d.h. ungleiche Verteilungen zwischen Anwesenheiten in Präsenz oder online geben.

TN-Zahl > 20 bis 100

Veranstaltungen dieser Größenordnung sind in Gänze wahrscheinlich nur eingeschränkt als Präsenzveranstaltung realisierbar. Entscheidend ist hier auch die Größe des zu Verfügung stehenden Raumes. Mit steigender Teilnehmendenzahl nimmt zudem die Wahrscheinlichkeit zu, dass Studierende das gesundheitliche Risiko als zu hoch bewerten, um an einer Präsenzveranstaltung teilzunehmen. Ebenso ist es geringer wahrscheinlich einen ausreichend großen Raum buchen zu können. Es erscheint naheliegend ein hybrides Format einzuplanen.

Alternative

Alternativ kann eine Online-Veranstaltung angeboten werden. Ggf. entscheidend könnte hier sein, dass der Großteil der Teilnehmenden virtuell teilnimmt. 

Vorteile

Die Vorteile des hybriden Formats bestehen darin, dass es für einen Teil der Studierenden immerhin möglich ist in Präsenz teilzunehmen. Für Lehrende kann der Vorteil darin liegen, zumindest in realer Umgebung in einem „echten“ Setting zu lehren und direkten Kontakt zu den Studierenden zu haben.

Nachteile

Da es sehr gut sein kann, dass der weitaus größere Teil der Studierenden online teilnimmt, kann es schwieriger sein, beide Seiten annäherend gleichgewichtet zu behandeln.

TN-Zahl>100

Veranstaltungen dieser Größenordnung lassen sich vermutlich mit nur sehr geringer Wahrscheinlichkeit vollständig als Präsenzveranstaltung durchführen. Die Größe der Veranstaltung legt nahe, dass es sich überwiegend um Vorlesungen handeln dürfte. Ein hybrides Format ist in diesem Fall fast zwingend, wenn man eine solche Veranstaltung in Präsenz durchführen möchte.

Alternative

Alternativ kann eine Online-Veranstaltung angeboten werden. Zusätzlich oder alternativ lässt sich die Veranstaltung auch aufzeichnen, um die asynchrone Bearbeitung zu ermöglichen. Geeignet ist dieses Format eher für Veranstaltungen, in denen es um die Vermittlung von Wissen geht, z.B. grundlegende Vorlesungen mit einer hohen Teilnehmendenzahl.

Vorteile

Die Vorteile des hybriden Formats bestehen darin, dass es für einen Teil der Studierenden immerhin möglich ist in Präsenz teilzunehmen. Für Lehrende kann der Vorteil darin liegen, zumindest in realer Umgebung in einem „echten“ Setting zu lehren und direkten Kontakt zu den Studierenden zu haben.

Nachteile

Da es sehr gut sein kann, dass der weitaus größere Teil der Studierenden online teilnimmt, kann es schwieriger sein, beide Seiten annähernd gleichgewichtet zu behandeln.

Welche technische Ausstattung ist erforderlich, um eine hybride Veranstaltung durchzuführen?

An der RUB sind ein Teil der Räume im Rahmen des so genannten 100-Räume-Programms mit Übertragungstechnologie ausgestattet, um hybride Veranstaltungen durchführen. Eine Auflistung der Räume ist auf den Seiten von IT.Services zu finden: https://it-services.ruhr-uni-bochum.de/services/sl/100-raeume-programm.html.de.

Bestandteil der Technik sind hier eine drehbare Kamera, ein Raummikrofon und Lautsprecher. Dies funktioniert zusammen mit den in den Räumen vorhandenen Rechnern, auf denen für die Übertragung Zoom gestartet wird.

Räume, die von zentraler Seite nicht ausgestattet sind, müssten mit eigener Technik, beispielsweise durch die Fakultät beschafft, eingerichtet werden. In begrenztem Umfang kann Übertragstechnik ausgeliehen werden.

Wie funktioniert eine hybride Veranstaltung technisch?

Die technischen Voraussetzungen für eine hybride Veranstaltung sind:

  • stabile Internetverbindung
  • Raummikrofon
  • Lautsprecher
  • Kamera
  • Zoom

Um eine hybride Veranstaltung durchzuführen, richten Sie zunächst ein Zoom-Meeting ein. Dies stellt die Möglichkeit für die virtuellen Teilnehmer*innen dar, an Ihrer Veranstaltung teilzunehmen.

Das Zoom-Meeting starten Sie in dem Raum, in welchem Sie auf dem RUB-Campus Ihre Präsenzveranstaltung durchführen. Als Quellen für Audio und Video wählen Sie in Zoom das Mikrofon, die angeschlossenen Lautsprecher bzw. die Kamera, die Sie verwenden.

Die Ansicht des Zoom-Raums wird über den Beamer projiziert. Auf diese Weise können die Teilnehmenden vor Ort die virtuell Teilnehmenden sehen.

Wenn Sie eine Präsentation verwenden, zeigen Sie diese über die Bildschirmfreigabe. Dadurch kann das virtuell teilnehmende Publikum auch Ihre Präsentation sehen. Die vor Ort Anwesenden verfolgen diese über das Beamerbild.

Redebeiträge der vor Ort Anwesenden, d.h. vom Dozierenden als auch von den Studierenden, werden über das Raummikrofon übertragen. Redebeiträge der virtuell Teilnehmenden werden über die Lautsprecher im Raum hörbar.

Das Videobild der vor Ort Anwesenden ist entweder in der Sprecheransicht oder der Galerieansicht sichtbar. Dies können die virtuell Teilnehmenden wie bei anderen Meetings auch für sich selbst einstellen.

Die virtuell Teilnehmenden sind, sofern sie ihre Kamera eingeschaltet haben, für die vor Art Anwesenden via Beamer zu sehen.

Welche didaktischen Konzepte eignen sich für die Durchführung einer hybriden Veranstaltung?

Szenario 1: bloße Übertragung

Die Veranstaltung findet primär unter Einbeziehung der vor Ort Anwesenden statt. Die entfernten Zuschauer schauen bzw. hören sich die Veranstaltung an und haben möglicherweise einen Chatkanal zur Verfügung, in welchem sie sich untereinander austauschen können oder Fragen zur Veranstaltung können.

Idealerweise gibt es eine Person, die den Chat moderiert und zu bestimmten Zeitpunkten, die Fragen und Kommentare aus dem Chat in die Live-Veranstaltung hineinträgt.

Szenario 2: Übertragung mit aktiver Einbindung der entfernten Teilnehmenden

Die Veranstaltung überträgt die Vor-Ort-Veranstaltung und integriert die entfernt Teilnehmenden.

Möglich sind folgende Formate: Seminarvorträge, Diskussionen, Q&A-Sessions, ggf. auch Gruppenarbeiten, Einsatz von Voting Tools.

Der Grad der Einbeziehung bzw. der Umgang mit entfernt Teilnehmenden richtet sich auch nach der Größe des virtuellen Publikums: Ist es beispielsweise kleiner, größer oder in etwa gleich groß wie das vor Ort anwesende Publikum? Handelt es sich um eine größere Gruppe, ist möglicherweise der Druck stärker, dieses miteinzubeziehen.

Die Wahrnehmung seitens der Dozierenden von beiden Gruppen ist unterschiedlich: Die vor Ort Anwesenenden haben die größere Präsenz, sie sind stärker wahrnehmbar. Die Zuwendung bzw. Einbindung der virtuellen Teilnehmer*innen erfolgt möglicherweise nicht in so unmittelbarer Weise.

Entfernte Teilnehmende können auf folgende Weise teilnehmen:

Wortmeldungen: Die entfernten Teilnehmenden können per Audio / Video zugeschaltet werden. Das Audio kann in den Raum übertragen werden und ist via Lautsprecher für die vor Ort Anwesenden hörbar. Für die Moderation kann das Führen einer Redner*innenliste sinnvoll sein.

Außerdem ist überlegenswert für die Einbeziehung per Wortmeldungen eine bestimmte Struktur einzuhalten:

Beispielsweise könnten Wortmeldungen immer zuerst aus dem virtuellen Publikum akzeptiert werden, erst darauf aus der Reihe der vor Ort Teilnehmenden. Der Vorteil hierbei ist, dass die entfernt Teilnehmenden ein stärkeres Gewicht erhalten.

Chat: Über den Chat in Zoom könnten die entfernt Teilnehmenden sich ebenfalls beteiligen. Problematisch ist, dass Dozierende die Aufmerksamkeit auf den Chat richten müssen, was unter Umständen schwierig ist, da in erster Linie die Aufmerksamkeit dem Geschehen im Raum gilt. Ggf. kann eine Person aus der Reihe der Studierenden die Moderation des Chats übernehmen.

Bildschirmfreigabe: Über die Bildschirmfreigabe können die entfernten Teilnehmenden Folien zeigen, z.B. um ein Referat zu halten.

Videobild: Wie in einem reinen Online-Meeting auch haben die entfernt Teilnehmenden die Möglichkeit ihr Bild zu zeigen. Dies ist wünschenswert, da dadurch die gemeinsame hybride Präsenz von vor Ort und virtuell Teilnehmenden hergestellt werden kann.

Voting Tools: Mittels so genannter Voting Tools können Abstimmungen durchgeführt werden. Daran kann sowohl das Publikum vor Ort als auch das entfernte Publikum zeitgleich teilnehmen. Neben Abstimmungen bieten einige Voting Tools auch die Möglichkeit Kommentare einzugeben, so dass die Veranstaltung durch eine Art „Twitterwall“ begleitet werden kann. Hierzu lässt sich aber beispielsweise auch das in Moodle integrierte Tool „Etherpad“ einsetzen, das zeitgleiches Schreiben für alle Beteiligten erlaubt.

 Mögliche Voting-Tools finden Sie auf dieser Seite: https://www.rubel.rub.de/tools/abstimmungstools

Gruppenarbeiten: Auch Gruppenarbeiten sind unter Umständen denkbar. Die vor Ort Anwesenden finden sich in Kleingruppen zusammen (ggf. zu beachten sind hier Abstandsregelungen). Für die virtuell Teilnehmenden lassen sich Breakout-Räume in Zoom einrichten.

Wie lässt sich eine hybride Veranstaltung planen?

Je nach Gruppengröße kann es sinnvoll sein, Plätze für die Teilnahme in Präsenz zu vergeben. Dies ermöglicht es vor der Veranstaltung zu erkennen, wie viele Personen vor Ort bzw. virtuell anwesend sein werden. Für die Planung können folgende Moodle-Tools verwenden werden:

  • Abstimmung
  • Gruppenwahl
  • Gerechte Verteilung

Die Planung kann einzeln pro Veranstaltungstermin aber auch vorab für alle Termine vorgenommen werden.

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